Kreativtherapie

Maltherapie

„In der Malerei hat es eigentlich gar keinen Sinn, davon zu sprechen, irgendetwas ist drinnen oder draußen, oder die Seele ist innen und außen. Die Seele ist immerfort im Geistigen, wenn sie in Farbe lebt. Es ist sozusagen das freie Bewegen der Seele im Kosmos, was in der Malerei erlebt wird.“

(Rudolf Steiner: Das Wesen der Farbe)

 

Die Maltherapie eignet sich besonders für Erwachsene, Jugendliche und Kinder in psychischen oder physischen Belastungs- und Krisensituationen. Im Einzel- oder Gruppensetting wird im Atelier mit verschiedenen Materialien und Techniken gearbeitet.

Es sind hierbei keine künstlerischen Vorkenntnisse notwendig, da die Maltherapie einen prozessorientierten Ausdruck bietet. Sie ermöglicht, im Farberleben dem Seelischen nachzuspüren. Hier gilt es zur seelischen Entspannung, zur Ruhe zu kommen bzw. die eigenen Lebenskräfte und die Lebensfreude zu aktivieren. Der Kopf und die Gedanken werden so frei und entlastet oder aufgefordert, sich zu konzentrieren und zu strukturieren. Gefühle finden Ausdruck oder werden geweckt am Farberleben. Handlungen werden gezielt und überlegt oder spontan ausgeführt. Die Maltherapie bietet so die Gelegenheit, sich vornehmlich nonverbal im unmittelbarem Nacherleben, mit den eigenen seelischen Stimmungen auseinanderzusetzen. Folglich eignet sich die Maltherapie besonders gut für Menschen, die Schwierigkeiten haben, eben diese Stimmungen oder Erlebnisse zu verbalisieren.

Patienten erleben einen Freiraum zu kreativer Auseinandersetzung und die Möglichkeit, inneren Bildern Raum zu geben. So können in der geschützten, wertfreien Atmosphäre des Ateliers ohne „Risiko“ neue Sicht- und Verhaltensweisen entwickelt, Ressourcen entdeckt und erprobt werden. Im Gespräch werden die Erfahrungen besprochen und nach Bedarf reflektiert. Die therapeutische Beziehung ist hier im Unterschied zu den Gesprächstherapien erweitert durch das Bild und bewegt sich in dem Dreieck Klient-Bild-Therapeut. 


Plastisch-therapeutisches Gestalten

„Im Gestalten, gestalten wir uns selbst“ (fabricando fabricamur) – diese alte Weisheit wird durch das Plastisch-therapeutischen Gestalten mit Gips oder Ton im Atelier erfahrbar.

In mannigfachen Krisen- und Krankheitssituationen (z. B. Trauer, Depressionen, Sucht) nutzen Kunsttherapeuten im Praxis- und Klinikbereich diese Möglichkeiten des plastisch-therapeutischen Gestaltens.

Mal findet das Arbeiten mit Gips statt, um eine Maske zu gestalten, ein andermal mit Ton zur Wahrnehmungsförderung oder zur Steigerung der haptischen Qualitäten. 

Dabei wird der Ton  gefühlt, gepresst, gequetscht, man lässt ihn durch die Hände gleiten und lässt Formen entstehen. Es muss die Materie ergriffen, durchdrungen und neu geordnet werden.

Die Arbeit an der Ordnung der Massen ist die „fassbare“ Suche nach einer schöpferischen Bearbeitung des Chaos zu einem neuen Kosmos (griech. schöne Ordnung). Die Kunst ist folglich sowohl Abbild als auch Übungsfeld der schaffenden und gestaltenden Kräfte im Menschen.


Rezeptive Kunsttherapie

Nebst verschiedenen Techniken und Möglichkeiten, Patienten mittels kunsttherapeutischen Methoden auf dem Weg zu einem sichtbaren Ausdruck zu begleiten, bildet die rezeptive Arbeitsweise eine Erweiterung dazu. Rezeptiv heißt aufnehmend, empfangend.

Die rezeptive Kunsttherapie wirkt durch einen indirekten Gestaltungsprozess. Durch das Betrachten von bereits bestehenden Bildern werden visuelle Reize ausgelöst, Erinnerungen lebendig sowie Wünsche und Sehnsüchte sichtbar. 

Rezeptive Kunsttherapie kann auch im Rahmen der Bibliotherapie (Buchtherapie = Lesetherapie = Vorlesetherapie) stattfinden.

Die geleitete Bildbetrachtung aktiviert die Phantasie und das Vorstellungsvermögen, kann eine erzählerische Ebene eröffnen oder wirkt entlastend.

Die rezeptive kunsttherapeutische Technik erlaubt einen neuen Zugang zu den Sinnen und ermöglicht den Patienten „im Geist ein Bild malen“.